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    Cannabinoid

    THC (Tetrahydrocannabinol)

    Δ9-Tetrahydrocannabinol — THC (Tetrahydrocannabinol) ist der bekannteste psychoaktive Wirkstoff der Cannabispflanze und eine der am häufigsten verschriebenen cannabisbasierten Substanzen in der Medizin. Es wirkt über das körpereigene Endocannabinoid-System und wird bei chronischen Schmerzen, Übelkeit, Appetitlosigkeit und Schlafstörungen eingesetzt.

    Alle Behandlungen

    Anwendungsgebiete

    • Chronische Schmerzen (neuropathisch, tumorbedingt)
    • Übelkeit und Erbrechen (v.a. bei Chemotherapie)
    • Appetitsteigerung (z.B. bei HIV/AIDS, Kachexie)
    • Schlafstörungen (sedierender Effekt höherer Dosen)
    • Multiple Sklerose (Muskelspastik, als Sativex)

    Wirkung

    THC bindet als partieller Agonist an die Cannabinoid-Rezeptoren CB1 (v.a. Gehirn, Nervensystem) und CB2 (v.a. Immunsystem). Die Aktivierung von CB1-Rezeptoren in schmerz- und stimmungsverarbeitenden Hirnregionen erklärt die analgetischen und psychoaktiven Effekte. THC hemmt die Weiterleitung von Schmerzsignalen und fördert die Ausschüttung von Dopamin und Serotonin. Der sedierende Effekt kommt durch die Suppression von Wecksystemen im Hirnstamm zustande.

    Dosierung

    Medizinisches Cannabis mit THC wird ausschließlich auf Rezept abgegeben. Die Dosierung erfolgt grundsätzlich nach dem "Start low, go slow"-Prinzip: Beginnend mit 1-2,5 mg THC wird die Dosis alle 2-7 Tage um 1-2,5 mg erhöht bis zur individuellen Wirkdosis. Typische Tagesdosen liegen bei 5-25 mg. Bei inhalativem Cannabis (Verdampfer) beträgt die Einzel-Inhalationsdosis ca. 5 mg. Der Arzt legt die Dosis individuell fest.

    Nebenwirkungen

    Häufige Nebenwirkungen: Schwindel, Mundtrockenheit, Steigerung der Herzfrequenz, Gedächtnisbeeinträchtigungen, Konzentrationsstörungen und psychoaktive Effekte (Euphorie, verändertes Zeitgefühl). Bei zu schneller Dosissteigerung: Angst, Panikattacken. Langzeitkonsum hoher Dosen: Risiko einer Cannabis-Abhängigkeit und Beeinträchtigung von Kognition und Gedächtnis. Kontraindiziert bei Psychose, bipolarer Störung (unbehandelt), Schwangerschaft und Jugendlichen.

    Erfahrungen

    Die Studienlage zu THC bei chronischen Schmerzen zeigt eine moderate Wirksamkeit: In klinischen Studien erreichte ein Teil der Patienten eine relevante Schmerzreduktion, ein anderer Teil sprach nicht an. Für Schlafqualität und Lebensqualität ist die Evidenz uneinheitlich. Der psychoaktive Effekt wird individuell sehr unterschiedlich vertragen und kann die Alltagsfunktion beeinträchtigen. Die Dosierung erfordert Geduld — zu rasche Steigerung führt oft zu Angst oder Schwindel. Unter ärztlicher Aufsicht ist die Therapie in der Regel gut steuerbar. Der Wechsel zum Verdampfer (statt Rauchen) verbessert die Verträglichkeit häufig erheblich.

    Kontraindikationen & Warnhinweise

    Kontraindiziert bei: Psychosen (inkl. Schizophrenie), manischen Episoden, Persönlichkeitsstörungen mit Psychoserisiko, schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen (KHK, Herzrhythmusstörungen), Schwangerschaft und Stillzeit, Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren (Ausnahmen nur in Einzelfällen). Erhöhte Vorsicht bei Angststörungen, familiärer Vorbelastung mit Psychosen und gleichzeitiger Einnahme von ZNS-dämpfenden Substanzen.

    Passende Behandlung verfügbar

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