Impfcheck nach STIKO-Empfehlungen
Finden Sie heraus, welche Impfungen die STIKO für Ihr Alter empfiehlt. Basierend auf den aktuellen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission.
Altersgruppe auswählen
Wie Impfungen funktionieren — die Wissenschaft hinter dem Schutz
Impfungen trainieren das Immunsystem, einen Krankheitserreger zu erkennen und zu bekämpfen, ohne dass die Krankheit ausbricht. Klassische Impfstoffe enthalten abgeschwächte (Lebendimpfstoffe wie Masern-Mumps-Röteln) oder abgetötete Erreger bzw. einzelne Erreger-Bestandteile (Totimpfstoffe wie Tetanus, Polio). Moderne mRNA-Impfstoffe (z. B. COVID-19) liefern dem Körper den Bauplan für ein einzelnes Erreger-Protein — der Körper produziert es selbst und entwickelt eine Immunantwort.
Nach einer Impfung baut das Immunsystem Antikörper und Gedächtniszellen auf. Bei späterem Kontakt mit dem echten Erreger reagiert es schnell und verhindert (oder mildert) die Erkrankung. Volle Schutzwirkung braucht meist 2 Wochen nach der Impfung. Manche Impfstoffe brauchen mehrere Dosen für vollständigen Schutz (Grundimmunisierung), andere benötigen Auffrischungen alle 5-10 Jahre.
Herdenimmunität: Wenn ein hoher Anteil einer Bevölkerung geimpft ist, können sich Erreger nicht mehr verbreiten — auch nicht-impfbare Personen (Säuglinge, Immungeschwächte) sind dann geschützt. Bei hochansteckenden Krankheiten wie Masern braucht es 95 % Impfquote für Herdenimmunität, bei weniger ansteckenden wie Polio etwa 80 %.
STIKO-Empfehlungen: Standardimpfungen in Deutschland
Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut gibt jährlich aktualisierte Impfempfehlungen heraus. Standardimpfungen für Säuglinge und Kinder: 6-fach (Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Polio, Hib, Hepatitis B), Pneumokokken, Rotaviren, MMR (Masern-Mumps-Röteln), Varizellen (Windpocken), Meningokokken C, HPV (ab 9 Jahren). Alle werden im U-Untersuchungs-Programm von Kinderärzten umgesetzt.
Erwachsene: Tetanus + Diphtherie + Pertussis (TdaP) alle 10 Jahre auffrischen — viele Erwachsene haben das vergessen. Influenza-Impfung jährlich für Risikogruppen (>60J, chronisch Kranke, Schwangere, medizinisches Personal). Pneumokokken ab 60 Jahren. Herpes Zoster (Gürtelrose) ab 60 Jahren als Standardimpfung — die Krankheit ist im Alter besonders schmerzhaft. COVID-19-Auffrischung jährlich für Risikogruppen.
Sondersituationen: Schwangere bekommen Pertussis-Impfung im 3. Trimester (schützt Neugeborenes), Influenza ab 2. Trimester. Reiseimpfungen sind individuell: Hepatitis A/B, Typhus, Tollwut, Gelbfieber je nach Reiseziel — eine reisemedizinische Beratung 4-6 Wochen vor der Reise ist sinnvoll.
Impf-Sicherheit: Was Studien wirklich zeigen
Impfstoffe gehören zu den am besten untersuchten Medikamenten überhaupt. Sie durchlaufen Phasen-I-III-Studien mit zehntausenden Teilnehmern, dann wird die Sicherheit nach der Zulassung weiter über Pharmakovigilanz-Systeme überwacht (in Deutschland: Paul-Ehrlich-Institut). Schwere Nebenwirkungen sind extrem selten — typische Häufigkeit: 1 zu 100.000 bis 1 zu 1 Million.
Häufige Nebenwirkungen: Lokalreaktionen (Schwellung, Rötung, Schmerz an Einstichstelle bei 50 % der Geimpften, hält 1-2 Tage), kurzfristige Allgemeinsymptome (Fieber, Müdigkeit, Kopfschmerzen bei 10-30 % für 1-2 Tage). Diese sind Zeichen, dass das Immunsystem reagiert — kein Hinweis auf eine Erkrankung. Schwere Reaktionen wie Anaphylaxie sind extrem selten (1:500.000) und werden in Arztpraxen sofort behandelt.
Der Mythos vom Autismus durch Masern-Impfung wurde 1998 von Andrew Wakefield in einer betrügerischen Studie behauptet. Die Lancet-Studie wurde 2010 zurückgezogen, Wakefield verlor seine Approbation. Seitdem haben Dutzende Studien mit Millionen Kindern (Madsen 2002, Jain 2015 mit n>95.000) keinen Zusammenhang gefunden. Trotzdem hält sich der Mythos und führte zu Masernausbrüchen in Europa.
Erfolge der Impfgeschichte
Pocken ausgerottet (1980 von der WHO offiziell deklariert) — die einzige Krankheit, die durch Impfen vollständig eliminiert wurde. Polio fast ausgerottet — vor 1988 erkrankten 350.000 Menschen jährlich, 2022 nur noch 30 weltweit. Masern wären rein epidemiologisch ausrottbar (ein Erreger, einziger Wirt Mensch), aber 41.000 Fälle in Europa 2018 zeigen die Bedeutung weiter hoher Impfquoten.
Die WHO schätzt, dass Impfungen jährlich 4-5 Millionen Menschenleben weltweit retten. Allein die HPV-Impfung verhindert in Australien (Vorreiterland mit nationalem Schulprogramm) prognostiziert das Aussterben des Gebärmutterhalskrebses bis 2035. Das ist Public Health Erfolg in einer Größenordnung, die kein anderes Medikament erreicht.
Wissenswertes über Impfungen
Was ist die STIKO?
Die Ständige Impfkommission (STIKO) ist ein unabhängiges Expertengremium am Robert Koch-Institut. Sie entwickelt Impfempfehlungen für Deutschland auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse.
Gibt es eine Impfpflicht?
Seit 2020 gilt in Deutschland eine Masern-Impfpflicht für Kinder in Kitas und Schulen sowie für Personal in Gemeinschaftseinrichtungen und medizinischen Einrichtungen.
Wo kann ich mich impfen lassen?
- Beim Hausarzt (häufigste Option)
- Beim Betriebsarzt
- Im Gesundheitsamt
- In Apotheken (für bestimmte Impfungen)
Wer trägt die Kosten?
STIKO-empfohlene Impfungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen vollständig übernommen. Bei Reiseimpfungen übernehmen viele Kassen ebenfalls die Kosten – informieren Sie sich vorab.
Hinweis: Die angezeigten Werte dienen der Orientierung und ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Fragen wenden Sie sich bitte an eine medizinische Fachperson.
Quellen & wissenschaftliche Grundlagen
- RKI / STIKO — Empfehlungen— Aktueller Impfkalender der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut.
- WHO — Vaccines & Immunization— Internationale Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation.
Die hier eingesetzten Berechnungen folgen den genannten Leitlinien. Sie ersetzen keine ärztliche Beratung.